Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
I wie: Insektenfreundlicher Rasen trotz Pflege - Das Rasen-ABC

I wie: Insektenfreundlicher Rasen trotz Pflege

„In einer Zeit, in der die natürliche Vielfalt bedroht ist, können wir alle einen Beitrag leisten, um das Überleben von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten zu sichern.“
Dr. Peter Weißhuhn, Projektleiter Insektenschutz – WWF Deutschland

Das Insektensterben hat in den letzten Jahren dramatische Ausmaße angenommen – nicht nur in der freien Landschaft, sondern auch direkt vor unserer Haustür. Über die Hälfte aller Wildbienenarten gilt als gefährdet, ebenso zahlreiche Schmetterlinge, Heuschrecken und Wasserkäfer. Und selbst diese Zahlen bilden nur einen Teil der Realität ab, da längst nicht alle Arten erfasst sind.

Umso wichtiger ist es, unsere Gärten bewusster zu gestalten. Dabei muss niemand seinen gepflegten Rasen vollständig aufgeben. Mit einigen gezielten Maßnahmen lassen sich Ziergarten und Insektenfreundlichkeit sehr gut miteinander verbinden.


1. Eine Insektenoase im Rasen schaffen

Statt ein weiteres Beet anzulegen, kann mitten im Rasen eine kleine Insektenoase entstehen.
Ob als abgegrenzte Insel, entlang der Rasenkante oder eingerahmt von einer niedrigen Hecke oder niedrigen Mauern – hier darf wachsen, was möchte. Besonders geeignet als Abgrenzung sind Trocken- oder Steinmauern, die ganzjährig Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeiten bieten.


2. Unkräuter neu denken

Der Begriff „Unkraut“ wird heute bewusst seltener verwendet – und das aus gutem Grund. Wild- und Beikräuter sind ökologisch wertvoll: Sie liefern Nahrung, Baumaterial und Lebensraum für zahlreiche Wildtiere.
Während sie im kurz gemähten Rasen kaum Chancen haben, dürfen sie in der Insektenoase frei gedeihen und ihre wichtige Rolle erfüllen.


3. Gras darf auch blühen

Viele Rasenflächen werden gemäht, bevor die Gräser überhaupt blühen können. Dabei erreichen gängige Rasenarten eigentlich Höhen von bis zu einem Meter und dienen als Lebensraum für viele Schmetterlingsarten.
Wird eine Fläche nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht – etwa nach der Blüte im Juni oder August – können sich Insekten ungestört entwickeln.


4. Blühwiesen als Alternative oder Ergänzung

Wer noch mehr für die Artenvielfalt tun möchte, kann statt klassischem Rasen eine Blühwiese anlegen.
Dies gelingt entweder auf frisch vorbereitetem Boden oder auf einem stark vertikutierten Rasen. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr für die kommende Saison oder im Spätsommer für das nächste Jahr.

Wichtig zu wissen: Viele Wildpflanzen sind zweijährig. Im ersten Jahr bilden sie nur Blätter, die Blüte folgt erst im zweiten Jahr. Geduld wird hier belohnt. Gedüngt werden muss nicht – Wildpflanzen bevorzugen nährstoffarme Böden.


5. Insektenhotels – aber richtig

Insektenhotels sind beliebt, aber nicht jedes Modell ist sinnvoll. Viele handelsübliche Varianten enthalten ungeeignete Materialien wie Lochziegel, Zapfen oder grob gebohrte Stammscheiben.
Deutlich besser geeignet sind saubere Hartholzbohrungen, hohle oder markhaltige Pflanzenstängel, Bambus, Pappröhrchen oder gebrannter Ton. Oft genügt es schon, solche Materialien gebündelt im Garten bereitzulegen.


6. Wasserstellen nicht vergessen

Auch Insekten brauchen Wasser. Kleine Teiche, Bachläufe oder einfache Tonschalen mit Wasser erfüllen diesen Zweck. Wichtig sind Steine oder Holzstücke im Wasser, die als sichere Landeplätze dienen, damit die Tiere nicht ertrinken.


7. Offene Sandflächen zulassen

Viele Insektenarten, etwa Wild- und Sandbienen, benötigen offene Sandflächen für ihre Bruthöhlen. Eine kleine, sonnige Stelle mit lockerem Sand – idealerweise in der Nähe einer Wasserquelle – steht ganz hoch im Kurs.


8. Weniger Chemie, mehr Natur

Pestizide, Herbizide und Fungizide zählen zu den größten Gefahren für Insekten. Wo immer möglich, sollten natürliche Alternativen bevorzugt werden.
Auch Nützlinge wie Marienkäfer helfen effektiv gegen Schädlinge. Sie können gezielt gefördert oder sogar im Fachhandel erworben und im Garten ausgesetzt werden.


Fazit

Ein insektenfreundlicher Garten schließt gepflegte Rasenflächen nicht aus. Schon kleine Veränderungen – mehr Vielfalt, weniger Chemie und gezielte Rückzugsorte – leisten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer Insektenvielfalt.

Interessiert?
Hier gibt's mehr aus
BE YOURSELF -
dem Greenbase-Blog!

A wie: Anlegen neuer Rasenflächen - Das Rasen-ABC
Weiterlesen...

Zum Blogbeitrag passende Produkte findest du im Greenbase-Shop oder bei deinem Greenbase-Fachhändler in deiner Nähe!

Wenn der Regen kommt – Wohin mit dem Wasser?
Weiterlesen...
Kübelpflanzen überwintern – Wer darf draußen bleiben?
Weiterlesen...
Hochbeet im Herbst – Was jetzt noch zu tun ist
Weiterlesen...